Smarte Fabriken brauchen Menschen

Auf dem Arbeitsmarkt genießt die Digitalisierung einen zweifelhaften Ruf. Automationslösungen und Robotertechnik haben beispielsweise laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom das Potenzial, Millionen von Jobs zu gefährden.

Es ist unumstritten, dass viele Tätigkeiten früher oder später in die Hände bzw. Greifer von maschinellen Helfern wandern werden. Doch wird der Mensch dadurch automatisch obsolet? Oder sind in Zukunft schlichtweg andere Kompetenzen gefragt?

Für TechTarget hat sich Tony Kontzer diesem Thema angenommen. Am Beispiel moderner Fabriken, den Smart Factories, analysiert er, was auf Seiten der Belegschaft nötig ist, um eine immer stärker automatisierte Fertigung wirtschaftlich zu betreiben. Die zunehmend datenbasierte Arbeit erfordere entsprechendes Knowhow im Umgang mit digitalen Technologien – von einfacher Analysesoftware über Programmierkenntnisse bis hin zur künstlichen Intelligenz. Außerdem betont er die Bedeutung einer ganzheitlichen Denkweise

So müsse jeder Mitarbeiter den Produktionsprozess von der Konstruktion über die Fertigung bis hin zur Nachbearbeitung verstehen. Ein Blick in die Produktion zeigt immer wieder, dass dieser Wandel bereits Alltag ist. So lernen Zerspanungstechniker spätestens nach der Ausbildung, welchen Anteil ihre Arbeit an der Wertschöpfung hat und wie sehr Fertigungsprozesse durch eine geschickte Konstruktion und intelligente Programmierung optimiert werden können.

Klassischen Ausbildungsinhalte werden an Bedeutung verlieren, während – so glaubt Tony Kontzer – digitale Kenntnisse, Kreativität und Kommunikationsfähigkeit entscheidende Einstellungskriterien der Zukunft sind. Es gehe um die Fähigkeit, mit allen am Prozess beteiligten Abteilungen effizient zusammen arbeiten zu können. Mitarbeiter mit diesen Kompetenzen für viele Betriebe eine neue Zielgruppe, haben sie doch jahrelang Fachkräfte speziell für die unterschiedlichen Produktionsbereiche eingestellt. Diese neue Generation von Mitarbeitern zu finden, sieht Tony Kontzer als eine der großen Herausforderungen – insbesondere in der Produktion. Die Branche gelte als antiquiert und für die geeigneten jungen Kandidaten somit als weniger attraktiv.

Flexibilität ist gefragt

Tony Kontzer lässt abschließend Thomas Kurfess, Professor am Georgia Institute of Technology zu Wort kommen. Für ihn ist die Flexibilität der Mitarbeiter ein wichtiger Faktor. Einfache repetitive Tätigkeiten seien demnach ein Relikt der Vergangenheit. Die Fähigkeit, schnell und unkompliziert auf Veränderungen reagieren zu können, zeichne die Fachkraft der Zukunft aus. Auch im Sinne der Kunden, wie viele Betriebe längst bestätigen: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es absolut notwendig, flexibel auf Kundenanforderungen zu reagieren – termingerecht und stets mit hochwertigen Produkten. Trotz des Siegeszugs von Smart Factories beruhigt Thomas Kurfess die Gemüter. Er ist sich sicher, dass Menschen auch in Smart Factories auf absehbare Zeit die Zügel in der Hand haben werden. Weil sie genau dann besser entscheiden können, wenn kein Algorithmus zugrunde liegt.

 

 

Autor / Quelle: Sascha Dietze
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